Probleme beim SU HD8 Vergaser von Oliver O`Keefe

 

Bevor ich über ein an meinem Rolls-Royce Silver Shadow II aufgetretenes Problem
berichte, folgend eine kurze Beschreibung des SU Vergaser wie er auch in der Silver
Shadow und Bentley T Familie eingebaut ist.
Die Fahrzeuge verfügen über 2 SU HD8 Vergaser, die je einen Ansaugflansch mit einem
Durchmesser von 50,8 mm haben. Es handelt sich hierbei um die größten SU Vergaser dieser
Art, doch sind diese im Grunde noch zu „klein“ um den gewaltigen 6,75 Liter großen Motor
ausreichend mit Luft zu versorgen ( aus diesem Grund produziert der Motor auch nur 220 PS).
Es ist nicht ausreichend, einfach die Spritmenge in Form einer größeren Düse in der das Benzin
aus der Schwimmerkammer angesaugt wird zu erhöhen. Nein, das Benzin-Luftgemisch muss
stimmen um eine optimale Verbrennung zu erreichen.
Beim Modell Camargue ist man schnell einen anderen Weg gegangen, auch wegen der höheren
Leistung. Hier wurde sehr zeitig auf einen Solex Doppelregistervergaser umgestellt, der einen
höheren Luftdurchsatz aufweist als beide SU Vergaser zusammen. Deswegen haben
Camargue und Corniche (ab der Baureihe II) auch deutlich höhere Motorleistungen im
Vergleich zu den Shadows.
Diese Solexvergaser sind aber auch nicht frei von Problemen, bei hoher Wärme neigen die
Vergasergehäuse zum Verziehen und in Folge dessen zum Ansaugen von Falschluft.
Ein unrunder Motorlauf mit schlechter Gasannahme ist dann die Folge.
Warum man bei Rolls-Royce nicht auf die absolut unproblematischen Rochestervergaser aus
Dem GM Sortiment zurückgegriffen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Beim Automatikgetriebe
hat man sich auch (zur Freude aller) für ein GM Produkt entschieden. Zurück zum
SU Vergaser, dessen Vorteil ist, dass er sehr einfach aufgebaut ist. Dieser verfügt über eine
variable Drossel in Form eines Kolbens. An diesem Kolben ist unten eine konische Nadel
angebracht welche wiederum in eine Austrittsöffnung im Boden des Vergaserkörpers hineinragt.
Durch diese Öffnung tritt Benzin das aus der Schwimmerkammer kommt in das Mischrohr,
wo es sich mit dem vom laufendem Motor angesaugtem Luftstrom zu einem explosivem
Gemisch vernebelt. Der Kolben bewegt sich, je nach vom Motor erzeugtem Unterdruck nach
oben bzw. unten. Das Öl in dem Vergaser drosselt diese Bewegung (deshalb auf korrekten
Vergaser Ölstand achten). Die Nadel welche nach unten hin schmäler wird, muß dabei aus der
sogenannten Düse gezogen werden. Je nach Position der Nadel tritt also mehr oder weniger
Sprit aus der Düse in das Mischrohr. Der Motor fettet an – beschleunigt, oder fällt ab.
Folgendes Problem trat bei meinem Silver Shadow II auf:
Als ich den Wagen startete und aus der Garage fuhr, stellte ich beim Rundgang um das
Fahrzeug mit laufendem Motor fest, dass unter dem Motor Sprit in rauen Mengen auf den
Boden lief. Sofort stellte ich den Motor ab, dieses Symptom trat auch bei eingeschalteter
Zündung auf. Folgendes war geschehen, der sogenannte Schwimmer in einem der beiden
Vergaser war undicht und ist mit Sprit vollgelaufen!
Schon bei eingeschalteter Zündung läuft die Benzinpumpe und fördert Sprit in die Schwimmerkammer
des Vergasers. Je höher das Spritniveau in dieser Kammer ist, desto höher schwimmt
auch der Schwimmer der sich in dieser Kammer befindet. Damit stets genügend, aber nicht zu
viel Benzin in den Vergaser laufen kann, sorgt dieser leichte mit Luft gefüllter Schwimmer
(der auf ein Ventil drückt) dafür, dass bei Erreichen eines bestimmten Kraftstoffstandes im
Schwimmergehäuse die Kraftstoffzufuhr automatisch verschlossen. Wiederum beim Absinken
des Kraftstoffniveaus auch wieder geöffnet wird.
Der mit Benzin vollgelaufene Schwimmer bei meinem Shadow hatte zur Folge, dass dieser zu
schwer wurde, um das Ventil der Spritzufuhr zu schließen. Der überschüssige Kraftstoff der
von der Benzinpumpe kontinuierlich in die Vergaser gepumpt wurde, ist also über den
sogenannten Überlauf/-eine Leitung die von beiden Vergasern abgeht, und auf der linken Seite
am Motorblock nach unten führt, ins Freie gepumpt worden.
Der Schwimmer wird aus 2 Schalen zusammengefügt, es entsteht also eine Naht und genau an
dieser Nahtstelle ist der eine Schwimmer meines Shadow undicht geworden.
Das Problem lässt sich auf 2 Arten lösen :
Erstens, ganz klar, man kauft einen neuen Schwimmer.
Zweitens, man „repariert“ den vorhandenen Schwimmer.
Da der Schwimmer ja aus Kunststoff ist, geht man beim Reparieren wie folgt vor :
Man nehme einen 1mm Bohrer und bohrt, am besten an der Nahtstelle ein kleines Loch,
aus der der eingedrungene Sprit ablaufen kann.
Wenn der Schwimmer innen soweit wieder ausgetrocknet ist, nimmt man einen heißen
Lötkolben und „schweißt“ das gebohrte Loch wieder zu, indem man den Kunststoff in dem
Bereich so weich macht, das man Diesen über das Loch „schmieren“ kann.
Aber Vorsicht, nicht zu warm machen, sonnst schmilzt der Kunststoff zu arg und das Loch wird
größer!!
Dann fährt man mit dem Lötkolben noch um die Nahtstelle (irgendwo dort kam es ja zu der
anfänglich beschriebenen Undichtigkeit) und „verschweißt“ Diese komplett.
Um sicher zu stellen das der reparierte Schwimmer dicht ist, taucht man Diesen in ein mit Sprit
gefüllten Behälter (kein Wasser verwenden, Sprit ist dünnflüssiger).
Saugt er sich nicht voll ist er in Ordnung und für den Wiedereinbau in den Vergaser bereit .

motor mit vergaseranlage 1motor mit vergaseranlage 2

dmpferschraubevergaserlstand

vergaserberlaufleitungschwimmer naht

Text & Photos: Oliver O`Keefe

 

Bilder zum Text: